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Zuletzt aktualisiert:
01. Februar 2009


Seife im Ofen
3 Seifensorten im Backofen (um zu schnelles Abkühlen zu vermeiden).

Für eine Keramikerin, die besonders viel für die Schöpfung von Seifenschalen übrig hat liegt es nahe, sich auch für die Herstellung dessen, wofür diese gedacht sind zu begeistern: Für Seife.


Wissenswertes über handgerührte Pflanzenseife

Vorwort

Wie schön, dass es kreative Leute gibt, die die Tätigkeit des Seifensiedens bereits ausüben - sei es als Hobby oder Beruf - und ihr Wissen anderen Menschen mitgeben wollen. So möchte ich an dieser Stelle insbesondere auf die Webseiten von Claudia Kasper und Herald Gessinger sowie auf das Buch von Xenia Trost hinweisen, die mir einen guten Einstieg in die Seifensiederei gaben und darübr hinaus noch viele interessante Informationen enthalten (mehr dazu unter "Links und Literatur"). Die folgenden Informationen sind diesen Quellen entnommen.

Inhalt

Die Wirkungsweise von Seife

Der Verseifungsprozeß (Kaltverfahren)

Reifung der Seife

Überfettung

Lagerung

Haltbarkeit

Meine Seifenkriterien

Meine Seifenkreationen

Links und Literatur


Die Wirkungsweise von Seife

Seife setzt die Oberflächenspannung des Wassers herab. Dadurch kann die Seifenlösung leichter die Haut / Gegenstände benetzen und besser in Fasern eindringen. Dort bindet sie fetthaltigen Schmutz, bis er mit Wasser weggespült wird. Die Wirkungsweise der Seife wird durch die verwendeten Zutaten charakterisiert. Ein Beispiel: Kokosfett bildet viel Schaum, wirkt in großen Mengen allerdings austrocknend. Oliven- oder auch Rapsöl ergeben hingegen milde Seifen mit cremigem Schaum.

Der Verseifungsprozeß (Kaltverfahren)

Beim sogenannten Kaltverfahren werden Öle/Fette bei etwa 40°C mit einer genau abgestimmten Menge Lauge vermischt. (Für feste Seifen wird zumeist Natriumhydroxid (NaOH - auch Ätznatron genannt) verwendet). Dabei verbinden sich die Fettsäuremoleküle der Öle/Fette mit Laugenmolekülen und bilden ein reinigendes Natriumsalz: die Seife - ein zu 100% biologisch abbaubares anionisches Tensid. Die zuvor noch mit den Fettsäuren verbundenen Glycerinmoleküle werden frei. Das wertvolle Glycerin bleibt in der handgemachten Seife voll enthalten und wird nicht - wie im industriellen Verfahren üblich - herausgewaschen, um es für andere Zwecke zu verwenden. (Auch bei der Herstellung von Kernseife geht das Glycerin und damit ihre pflegenden Eigenschaften durch Aussalzen verloren). Handgerührte Seifen sind durch den natürlichen Glyceringehalt sanfter / weicher als industriell hergestellte.

Nach dem Andicken des Seifenbreies werden weitere Zutaten wie z. B. Kräuter, ätherische Öle und pflegende Überfettungsöle hinzugegeben (siehe auch: Überfettung).
In Formen gefüllt und vor Kälte geschützt ruht die Seife noch etwa 24 Stunden. Dann ist sie bereits schnittfest. Für den Gebrauch ist sie allerdings noch zu basisch (reizend für empfindliche Haut und Schleimhäute).

Reifung der Seife

Die Seifen sollten noch vier bis sechs Wochen reifen. In dieser Zeit senkt sich der ph-Wert auf 9-10. Dieser Wert entspricht auch den handelsüblichen Seifen. Ferner verdunstet während des Nachreifens das enthaltene Wasser, die Seife schrumpft und wird fester. Dabei entwickelt sich auch die Schaumqualität.

Überfettung - für die milde Reinigung der Haut

Ein um ca. 5% höherer Öl-/Fettanteil, als die Laugenmenge vollständig verseifen könnte, dient der Hautpflege beim Waschen: Dieser Überschuß wird in Form besonders wertvoller Pflegeöle und -fette nach dem Andicken des Seifenbreies hinzugefügt, denn sie sollen nicht verseifen, damit ihre wirksamen Bestandteile möglichst erhalten bleiben.

Lagerung

Gut durchgetrocknete Seifen sind besonders ergiebig. Im Gebrauch erhöht sich die Ergiebigkeit der Seife, wenn sie nach jedem Benutzen gut abtrocknen kann (dies gewährleisten meine Seifenablagen durch eine erhabene Rille bzw. geringe Auflageflächen bei den Trockenwellen). Direkte Sonne und zu viel Wärme können Verfärbungen und Ranzidität verursachen oder die Seife zum Schmelzen bringen.

Haltbarkeit

Die Haltbarkeit ist begrenzt. (Bei entsprechender Lagerung kann eine mit 5% überfettete Seife durchaus 2 Jahre und länger halten. Der Duft wird aber mit der Zeit nachlassen.)

Meine Seifenkriterien

Bei der Auswahl der Rohstoffe für meine Seifen sind mir folgende Kriterien wichtig:

· Keinerlei Verwendung von Produkten oder Bestandteilen von Tieren, wie z. B. deren Milch oder Fett, Bienenwachs, Honig, Seidenprotein, Ei(erschalen), Lanolin ...

· Möglichst biovegane und regionale Erzeugung der Zutaten, um von mensch- und tierausbeutenden, umweltschädlichen Produktionsweisen und langen Transportwegen weg zu kommen.
So enthalten die Seifen als Hauptbestandteil kaltgepresstes Öl von Raps, der hier auf der Ottensteiner Hochebene von einem Biobetrieb - Kiels Sonnengarten - angebaut wird (siehe Bild rechts) - ohne Mist & Gülle, stattdessen mit Gründüngung als Untersaat.

· Um auf grobporigen Schaum nicht verzichten zu müssen, verwende ich Kokosfett aus kbA.

· Die Seifen enthalten keine synthetischen Duft-, Farb- und Konservierungsstoffe.

· Ätherische Öle, Tonerden, ggf. Quarzmehl, Gewürze und Kräuter stellen weitere Zutaten dar (letztere beziehe ich vorzugsweise aus eigenem Biogarten oder aus Wildsammlung).

Sonnengarten-Logo - Rapsöl
Reine Rapsölseife

Meine Seifenkreationen

Seetangseife - vergrößern

Seetangseife (2007)
Eine Peelingseife mit Zutaten, die die Durchblutung anregenden: Meersalz und Arame-Meeresgemüse.

Ätherische Öle:
Zirbelkiefernöl, Zitronen-, Rosmarin- und Cedernöl.

Basisöle: Rapsöl (60%) / Kokosfett (27%) / Rizinusöl (8%). Überfettungsöl: Sesamöl (5%)

Weitere Zutaten: Orangenschale (Duftfixativ) und Bentonit (reinigend und färbend).

Mittelmeerkräuter (2007)
Mit Kräutertee und feinst gemahlenen Kräutern des Mittelmeeres, wie Rosmarin, Salbei, Lorbeer, Lavendel und Majoran.

Ätherische Öle: Orangenschalenöl, Rosmarin-, Lavendel- und Cedernöl.

Basisöle: Rapsöl (60%) / Kokosfett (27%) / Rizinusöl (8%). Überfettungsöl: Sesamöl (5%)

Weitere Zutaten: Orangenschale (Duftfixativ) und Bentonit (reinigend und färbend).

Werkstatt- und Gartenseife - vergrößern

Werkstatt- und Gartenseife (2007)
Feines Quarzmehl, gemahlene Orangenschle und Kräuter in dieser Seife schrubben feinen Schmutz von Händen und Füßen, Annattosaat gibt ihr die rötliche Farbe.
Eine zweite Variante enthält eine Blau-Mohn-Seite mit kräftigeren Schrubbeigenschaften.

Ätherische Öle: Lemongrass, Lavendel, Ceder - meine aktuelle Lieblingsmischung :-)

Basisöle: Rapsöl (60%) / Kokosfett (27%) / Rizinusöl (8%). Überfettungsöl: Sesamöl (5%)

Achtung: AnfängerInnen sollten sich vor ihren ersten Experimenten erst mit den Sicherheitsregeln des Seifemachens vertraut machen (siehe Links und Literatur). Natronlauge ist stark ätzend!
Lavendel-Orangenseife (2005)
Zutaten (für 1.500g Öl/Fettansatz; 5% überfettet)
Lauge: 217g NaOh / 500ml Kräuterauszug mit dest. Wasser (aus 47g frischer / unbehandelter Orangenschale, 10g getr. Lavendel und 10g Rotbuschtee)
600g Rapsöl
525g Kokosfett
300g Olivenöl
100g Kaolin (weiße Porzellanerde)
75g Traubenkernöl zur Überfettung
25g äth. Orangenschalenöl
10g gemahlene Orangenschale
2g äth. Lavendelöl
Lavendel-Orangenseife
Kräuterseife

Kräuterseife (2004)
Zutaten (für insg. 1.500g Öl; 5% überfettet):
Lauge: 214g NaOH / 500 ml destilliertes Wasser
525g Rapsöl
375g Kokosnußöl
300g Olivenöl
225g Palmöl
100g Kaolin (weiße Porzellanerde)
75g Avocadoöl zur Überfettung
20g Orangenschalenöl
20g ätherisches Rosenholzöl
10g gemahlene Orangenschale

Kräuter: Johanniskraut, Frauenmantel, Rosmarin, Ringelblumenblüten, Kamille.

Links und Literatur

  • Leider z. Zt. vergriffen:
    Trost, Xenia: Duftseifen selbst herstellen. Seifenkochen Schritt für Schritt ·
    Pflegeseifen, Delikatess-Seifen, Milchseifen und Badezusätze aus reinen Pflanzenölen und wohl riechenden Essenzen. München. 2000.

    Das Buch bietet neben einem guten Einstieg in die Seifenherstellung auch einen historischen Abschnitt über die Seifenherstelung, einen Rezeptteil für Basis- und Feinseifen, Informationen über die Wirkungsweisen von Seifenzutaten, Tips für Seifenformen, Geschenkideen und über die Seifenherstellung hinausgehende Ideen für die Verwendung von Seifenzutaten.

  • www.naturseife.com

    Claudia Kasper bietet eine umfassende Einführung in die Seifensiederei: Eine Auflistung der benötigten Arbeitsgeräte, Zutaten und deren Wirkung sowie eine Schritt für Schritt-Anleitung.
    Sie präsentiert ihre Seifen mit Rezepten, gibt Tips für die "Fehlerbeseitigung" in der Seifenherstellung u.v.m.
    Als besonderen Service stellt sie einen Seifenrechner zur Verfügung, der die richtige Laugenmenge für die zu verseifenden Öle und Fette berechnet.
    Außerdem informiert sie darüber, wie das Seifensieden in früheren Zeiten praktiziert wurde.
    Der Seite angegliedert ist auch ein Forum, in dem der Austausch rund um das Seifenstück, zur Vermarktung von Seife, Rezepttausch, Troubleshooting (Fehlerbeseitigung) u.v.m. möglich ist.

  • Es gibt auch ein Buch von Claudia Kaspar: Naturseife das reine Vergnügen. ISBN Nr: 3-902540-10-9

  • www.seifen.at

    Herald Gessinger scheint ebenfalls dem Thema Seife verfallen zu sein. ;-)
    Er beschreibt unter anderem verschiedene Verfahren der Seifenherstellung: Kaltverfahren, Heißverfahren und die Herstellung von Glycerinseifen. In dem Kapitel "Nicht alles was schäumt ist Seife" reflektiert er über die Zusätze (und deren Wirkung), die sich in "handelsüblichen" Seifen und Detergenzien finden.

  • SEIFENSIEDEKURS in Mühlhausen / Thür.: www.atelier-kirsten-priebsch.de
    Malerei - Kreativkurse - Stressbewältigung - Aromatherapie und Naturkosmetik

    Wer in der Nähe von MÜHLHAUSEN wohnt, und mal einen SEIFENSIEDERKURS machen möchte, kann dies bei Kirsten Priebsch tun.
    Ich empfehle auch einen Blick auf ihre wunderschönen Aquarell-Landschaftsbilder und Kohlezeichnungen.
  • Keimblatt Ökodorf
    Hinweisen möchte ich auch auf das erste österreichische Ökodorf, eine im Aufbau befindliche, sozial-ökologisch orientierte Siedlung in der Region Südburgenland / Oststeiermark. Ökodörfer sind Modelle zukunftsfähiger Lebensformen, da in ihnen ein globalisierbarer, ressourcenschonender Lebensstil gelebt wird. Mehr darüber: www.oekodorf.or.at
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