Ein Lehmofen entsteht

Lehmofenbau-DokumentationDie folgende Bilddokumentation zeigt die Entwicklungsstadien eines Lehmofens für Töpferbrände mit überschlagender Flamme.

Der Ofen wurde nach folgenden Kriterien geplant:

  • Die Brennkammer, in der sich die rohen Tongefäße und -objekte befinden, liegt oberhalb des Feuerraumes. Durch den langen verschlungenen Flammenweg bleibt die Hitze länger im Ofen als bei einem Ofen mit direkt aufsteigender Flamme.

Töpferofen aus Lehm - Skizzez

  • Vorteile gegenüber einem Ofen, bei dem Feuerraum und Brennraum direkt hintereinander liegen:
    1. Das Brenngut wird auch von unten geheizt, dadurch soll verhindert werden, dass Sprünge durch einen kalten Ofenboden in den Gefässen entstehen.
    2. Die Flammen werden vom Brenngut fern gehalten. (Durch zu frühen direkten Kontakt des Feuers mit dem Brenngut kann dies – abhängig vom verwendeten Ton – ebenfalls leicht zerspringen).

  • Die Wand des Ofens wurde in mehreren Schichten aufgebaut: Eine Sandlehm-Schicht und darüber eine Stroh-/Heulehm-Schicht. Die Sandlehm-Schicht soll die Hitze speichern, die Strohlehm-Schicht isoliert nach aussen. Ein Nachteil dieser Bauweise ist allerdings, dass die Sandlehm-Schicht viel Holz braucht, um aufgeheizt zu werden – besonders beim ersten Brand; gebrannter Lehm (Keramik) lässt sich schneller aufheizen. Ein Töpferbrand benötigt die Hitze des Augenblicks, nicht die Speicherhitze; demnach wäre es vielleicht besser, nur Strohlehm zu verwenden (nächstes Mal …).

Wer sich über verschiedene Ofenbauweisen und Brennverfahren genauer informieren möchte, findet im Anschluss an diese Doku einige Literaturtipps.

Klick auf Bild 1 für die Galerie-Ansicht und zum Kommentieren einzelner Bilder.

 

Update August 2003 (ein Jahr später)

LehmofenDer Lehmofen hat den Winter – in Plane eingewickelt – unerwartet gut überstanden.

Die nächsten Bilder zeigen das Innere des Lehmofens. Deutlich sind
noch die Spuren des Schwarzbrandes zu sehen, der in einer weiteren Doku beschrieben wird.

 

 

Update April 2007: … und vergeht

KräuterspiraleEin Dach hat der Ofen nicht mehr bekommen.
2007 wurde eine Kräuterspirale daraus.

Folgende Hefte / Bücher habe ich in erster Linie zu Rate gezogen:

  • Kuhtz, Christian: Die fahrende Töpferwerkstatt. Ton finden, waschen, formen & brennen auch als Handwerk zum Leben auf großer Fahrt. Handwerk-Heft 1 der Reihe Einfälle statt Abfälle. 3. Auflage. Brodersdorf 1999. ISBN 3-924038-48-1*
  • Kuhtz-Kunow, Christian; Kunow, Imke: Öfen ganz aus Lehm gebaut! Einfache und ursprüngliche Lehmbauweisen aus Stampflehm, Graslehm, oder Lehmbällen für Herde, Kuppel- und Gewölbeöfen zum Backen, Kochen und für Töpferbrände. Ofenbau-Heft 6 der Reihe Einfälle statt Abfälle. Brodersdorf 1996. ISBN 3-924038-44-9.*

* Bezugsquelle für die obigen Hefte: Einfälle statt Abfälle

  • Perryman, Jane: Rauchbrand-Töpferei. Eine Einführung in die verschiedenen Techniken. Bern, Stuttgart, Wien, o. J. ISBN 3-258-05240-9. (S.90-98).

Interessante Artikel über verschiedene Öfen finden sich in den Workshop-Heften 1-3 der Reihe Neue Keramik:

  • Weiss, Gustav (Hg.): Neue Keramik Workshop I. Berlin 1989. ISBN 3-9802217-8-4.
    Arbeitstechniken und Brennverfahren von TöpferInnen und KünstlerInnen aus verschiedenen Ländern werden vorgestellt.
  • Weiss, Gustav (Hg.): Neue Keramik Workshop II. Berlin 1996. ISBN 3-9802217-9-2.
    Ein Kapitel zum Thema Öfen und Brennen; u. a. „Primitive Öfen aus Lehm“ (S.110f.)
  • Weiss, Gustav (Hg.): Neue Keramik Workshop III. Berlin 1995. ISBN 3-9802217-8-4.
    Ein Kapitel von Helmut Rohde: Öfen und Brennen. (S.241-246) – Über verschiedene Ofentypen, Materialien, Brennstoffe und wärmetechnische Überlegungen.

Ein interessantes Buch fiel mir jüngst in die Hände:

  • Hofmann, Angelika: Ton. Finden-Formen-Brennen. Köln 1982.
    Ofenbau mit Lehm- und Ackerboden.

Dieser Beitrag ist eine etwas abgewandelte Wiederveröffentlichung von meiner alten Webseite.

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